Flüstergasse Elbtor

Die Flüstergasse an der Roßpforte von Tangermünde

An der Wasserseite der Stadt, dort wo einst Fuhrwerke rumpelnd das Tor passierten, erwartet Sie ein besonderer Ort:
die Flüstergasse an der Roßpforte.

 

Die Roßpforte ist das Einzige der drei mittelalterlichen Stadttore von Tangermünde, das zur Elbe hin ausgerichtet ist – offen zum Wasser, offen zur Welt. Händler, Reisende und Fuhrleute durchquerten einst dieses Tor. Räder knarrten, Pferde schnaubten, Waren wurden kontrolliert. Hier pulsierte das Leben zwischen Stadt und Strom.

 

Heute ist die Roßpforte eine eindrucksvolle Kulisse – und im Sommer sogar eine Open Air Kulisse: Die „Hafenbühne Tangermünde“ lässt das historische Gemäuer zur Theaterszene werden. Wo einst Handel betrieben wurde, erklingen nun Dialoge, Musik und Applaus unter freiem Himmel.

 

Doch wer genauer hinhört, vernimmt noch eine andere Stimme – das leise, verschmitzte Flüstern des Geistes der Stadt.

 

Er erzählt von einer „Uhr aus Licht“.
Im Jahr 1810 brachte der Kantor und Lehrer August Stöpel an der St. Stephanskirche eine Sonnenuhr an. Keine tickenden Zahnräder, kein Pendel – nur Sonne und Schatten. Eine Uhr, die allein vom Lauf des Himmels lebte. Und wenn die Sonne über der Stadt steht, scheint es fast, als würde sie noch heute leise die Stunden über die Dächer Tangermündes schreiben.

 

Dann wird die Stimme des Geistes ernster.
Er berichtet von den vielen Hochwassern, die die Stadt heimsuchten. Die Elbe trat über die Ufer, drängte gegen Mauern und Tore, forderte die Menschen heraus. An der Roßpforte erinnert eine Messlatte an diese Zeiten – Meterstände, die von den gewaltigen Kräften des Wassers künden. Und doch: Die Mauern der Stadt hielten stand. Stein für Stein trotzten sie der mächtigen Strömung.

 

Schließlich hebt sich sein Ton wieder – fast ehrfürchtig.
Hinter der Roßpforte erhebt sich monumental der Turm von St. Stephan, der höchste Kirchturm der Altmark. Sein Bau zog sich über Generationen hinweg, getragen vom Glauben, vom Fleiß und vom Stolz der Bürger*innen. Steinmetze, Baumeister und Handwerker schufen hier ein Wahrzeichen, das bis heute den Himmel über der Stadt prägt.

 

So verbindet die Flüstergasse an der Roßpforte Wasser und Stein, Vergangenheit und Gegenwart, Alltag und Bühne.

 

Wo einst Fuhrwerke rollten, lauschen heute Besucherinnen und Besucher den Geschichten der Stadt.
Kinder staunen über Hochwassermarken, Erwachsene blicken hinauf zum Turm – und vielleicht bleibt der eine oder andere einen Moment länger stehen, um dem Wind zuzuhören.

 

 

 

 

© Sandra Spröte E-Mail

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