Flüstergasse Steigberg

Die Flüstergasse am Steigberg von Tangermünde

Hoch über der Elbe, dort wo sich die Stufen zwischen Backstein und Himmel erheben, wo Mauern einst Schutz boten und der Blick weit ins Land schweifte, liegt ein besonderer Ort:
die Flüstergasse am Steigberg.

 

Der Steigberg von Tangermünde ist eine von einem Turm überbaute Treppe – ein Aufgang mit Geschichte. Einst befand sich hier eine halbrunde Bastion. Heute ist von ihr nur noch ein angeschütteter Erdhügel geblieben. Doch im Mittelalter diente sie der Deckung der Rosspforte, auch Elbtor genannt, und war Teil der wehrhaften Stadtbefestigung. Von hier aus sicherte man den Zugang zur Elbe und behielt das Umland wachsam im Blick.

 

Rechts und links des ehemaligen Wehrturmes schmiegen sich kleine Stadthäuser an die alte Mauer. Wo einst Verteidiger standen, herrscht heute Idylle. Der Steigberg ist zu einem beliebten Fotomotiv geworden – romantisch, verwinkelt, voller Atmosphäre.

 

Seit Neuestem aber flüstert auch hier der Geist der Stadt Tangermünde.

 

Leise erzählt er vom Beginn einer schweren Zeit. Im Jahr 1619 weilte Albrecht von Wallenstein in der Stadt – ein gefürchteter Feldherr des Dreißigjährigen Krieges. Der Schatten des Krieges lag bereits über Tangermünde. Später kamen schwedische Truppen, eroberten die Burg und legten vieles in Schutt und Asche. Rauch, Angst und Ungewissheit zogen durch die Gassen – auch hier am Steigberg.

 

Doch der Geist berichtet nicht nur von Zerstörung.

 

Er erzählt vom Aufbruch des 19. Jahrhunderts. 1887 begann der Bau des Hafens, um Handel und Wirtschaft neuen Auftrieb zu geben. Schiffe legten an, Waren wurden verladen, Hoffnung und Fortschritt hielten Einzug. Die Nähe zur Elbe machte den Steigberg erneut zu einem Ort mit Blick in die Zukunft.

 

Und der Geist lächelt, wenn er von bewegten Bildern spricht. Denn Tangermünde war immer wieder Kulisse für große Filmdrehs. Zwischen historischen Mauern und malerischen Gassen erwachten Geschichten zum Leben – und der Steigberg bot dabei eine eindrucksvolle Bühne.

 

So verbindet die Flüstergasse am Steigberg Wehrhaftigkeit und Wandel, Krieg und Neubeginn, Geschichte und Gegenwart.

 

Wo einst Bastionen standen, verweilen heute Besucherinnen und Besucher mit Kamera und staunendem Blick.
Vielleicht bleibt man einen Moment auf den Stufen stehen.
Vielleicht spürt man zwischen Turm und Mauer ein leises Raunen.

 

Und wer genau hinhört, erfährt auch hier wahre Geschichte –
erzählt vom Geist der Stadt selbst.

 

 

 

© Sandra Spröte E-Mail

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